Unternehmen besitzen Maschinen, Gebäude, Kapital und Daten.
Doch die Umsetzung einer Strategie hängt häufig von Ressourcen ab, die außerhalb des Unternehmens liegen.
Energie.
Fachkräfte.
Genehmigungen.
Lieferanten.
Finanzierung.
Vertriebskanäle.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
Was besitzen wir?
Sondern:
Auf welche Ressource müssen wir zuverlässig zugreifen können, damit unsere Strategie funktioniert?
Google und Constellation Energy ermöglichen durch einen langfristigen Vertrag Investitionen von mehr als 4,3 Milliarden Dollar in zusätzliche Leistung bestehender Kraftwerke. Insgesamt sollen 890 Megawatt zusätzliche Kapazität entstehen.
Google muss die Kraftwerke nicht besitzen.
Es muss den Zugriff auf ausreichende Energie absichern.
Die Frage lautet:
Welche strategische Ressource müssen wir selbst besitzen – und bei welcher reicht eine belastbare langfristige Zugriffssicherung?
Mehr als 60 Milliarden Euro an Rechenzentrums- und Infrastrukturinvestitionen sind für Aragón angekündigt.
Beschleunigte Genehmigungsverfahren können die Zeit bis zur Realisierung großer Projekte erheblich verkürzen.
Zeit bis zur produktiven Nutzung beeinflusst unmittelbar die Investitionsrendite.
Standortvergleiche sollten deshalb ergänzen:
Wie lange dauert es an diesem Standort, bis unser Kapital tatsächlich produktiv wird?
Mehr als 80 deutsche Unternehmen betreiben in Indien über 150 Global Capability Centres mit mehr als 130.000 Mitarbeitern.
Engineering, Software, KI und Forschung gewinnen dort an Bedeutung.
Fachkräftemangel muss nicht ausschließlich durch Recruiting oder Automatisierung gelöst werden.
Die zusätzliche Frage lautet:
Welche Fähigkeiten müssen wir künftig international organisieren, weil sie an unserem heutigen Standort strukturell zu knapp werden?
KKR übernimmt Gen II Fund Services für 5,1 Milliarden Dollar.
Das Unternehmen administriert Fondsstrukturen für mehr als 275 Investmentgesellschaften mit über zwei Billionen Dollar verwaltetem Private-Market-Kapital.
Robuste Märkte können dort entstehen, wo alle Teilnehmer dieselbe Infrastruktur benötigen.
Die Frage lautet:
Welche unvermeidbare Nebenleistung benötigt fast jeder Teilnehmer eines wachsenden Marktes?
Informa übernimmt Clarion für 2,24 Milliarden Pfund und plant gleichzeitig die Trennung von Taylor & Francis.
Auch Managementaufmerksamkeit ist eine knappe Ressource.
Die strategische Portfoliofrage lautet:
Würden wir dieses Geschäft heute noch einmal aufbauen, wenn wir es nicht bereits hätten?
Strategische Ressourcen lassen sich in zwei Gruppen unterscheiden:
Ressourcen, die wir besitzen müssen
und:
Ressourcen, auf die wir lediglich zuverlässig zugreifen müssen
Für die zweite Gruppe werden drei Größen entscheidend:
Bedeutung
Wie stark hängt die Strategie von der Ressource ab?
Austauschbarkeit
Existiert eine realistische Alternative?
Ersatzzeit
Wie lange dauert es, diese Alternative produktiv zu machen?
Daraus entsteht eine einfache Prüflogik:
kritische Ressource identifizieren → Eigentum oder Zugriff unterscheiden → Alternative bestimmen → Ersatzzeit messen → Zugriff absichern
Die zentrale Unternehmerfrage lautet:
Welche Ressource besitzen wir heute nicht – von deren Verfügbarkeit unsere Strategie aber vollständig abhängt?
Und anschließend:
Wie lange würde es dauern, sie zu ersetzen, wenn sie morgen nicht mehr verfügbar wäre?
Weitere Ausgaben finden Sie im:
Google / Constellation Energy – langfristige Energievereinbarung, 6. Oktober 2026
Reuters – Aragón und Rechenzentrumsinvestitionen, 6. Oktober 2026
Deutsch-Indische Handelskammer / Economic Times – Global Capability Centres deutscher Unternehmen
KKR / Gen II – Übernahmevereinbarung, 6. Oktober 2026
Informa – Clarion-Übernahme und geplante Trennung von Taylor & Francis, 6. Oktober 2026