Erfahrung wird in Organisationen häufig als Kostenfaktor gelesen.
Als etwas, das Prozesse verlangsamt, Diskussionen verlängert und Entscheidungen absichert, statt sie zu beschleunigen.

Diese Sicht greift zu kurz.

Denn Erfahrung wirkt nicht auf der Ebene von Geschwindigkeit,
sondern auf der Ebene von Steuerung.

Erfahrene Fach- und Führungskräfte erkennen Muster früher.
Sie priorisieren anders.
Sie reduzieren Schleifen, bevor sie entstehen.

Nicht, weil sie mehr wissen,
sondern weil sie bereits entschieden haben – oft mehrfach, unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen.

Organisationen, die Erfahrung abbauen, verlieren deshalb nicht nur Wissen.
Sie verlieren Orientierungsfähigkeit.

Das zeigt sich in:

  • steigender Eskalationsdynamik
  • wachsender Abstimmungsdichte
  • zunehmender Entscheidungsvermeidung

Was als Agilität verkauft wird, ist häufig der Versuch, fehlende Orientierung zu kompensieren.

Erfahrung ist kein Gegenspieler von Tempo.
Sie ist dessen Voraussetzung.

Dort, wo Erfahrung strukturell eingebunden ist,
werden Entscheidungen klarer, nicht langsamer.
Konflikte werden früher erkannt, nicht später.
Verantwortung wird getragen, nicht verteilt.

Die Frage ist daher nicht,
ob sich Organisationen Erfahrung leisten können.

Die Frage ist,
ob sie sich den Verlust von Steuerungsfähigkeit leisten wollen.

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